Zwischen Fördern und Fordern –

Schülerinnen in den MINT-Fächern

Aus der Forschung ist bekannt, dass Mädchen andere Problemlösungsstrategien als Jungen besitzen. Während Jungen eher ausprobieren und weniger Scheu vor Misserfolg aufweisen, sind Mädchen tendenziell zurückhaltender. Das macht sich im Unterricht vor allem daran bemerkbar, dass Jungs u.a. wissentlich unvollkommene Arbeiten mit Stolz präsentieren, während Mädchen, die sich ein fundiert ausgearbeitetes Konzept überlegt haben, sich nur unter größter Aufwendung ihres Mutes zum Vortragen ihrer Ergebnisse überreden lassen. Natürlich sind hier zwei extreme beschrieben, die Mehrheit befindet sich dazwischen.

Im Bereich der Förderung um Mädchen in den MINT-Fächern geht es jedoch um viel mehr. Es geht explizit nicht darum, dass Mädchen einfach nur eine besondere Behandlung erfahren, sondern es geht darum jahrhundertealte Denkmuster aufzubrechen, um ein gleichberechtigtes Miteinander und etwas mehr Chancengleichheit zu erzeugen.

In der Schule sind die Schülerinnen nach dem oben genannten Typus mit ihrer Strategie des „Fleißigen Bienchens“ meist erfolgreich. Entscheiden sie sich anschließend für ein Studium in den MINT-Fächern, werden sie auch an der Universität häufig erfolgreich sein. In vielen Fällen stoßen diese Frauen in der Berufswelt allerdings an die „Gläserne Decke“, welche ihnen den Aufstieg in Führungspositionen versperrt. Man geht inzwischen davon aus, dass je mehr weibliche Führungspositionen in MINT-Berufen vorhanden sind, zukünftig mehr Frauen in entsprechende Positionen aufsteigen können. Da man aber nicht erst kurz vor der „Gläsernen Decke“ beginnen kann, einem geschlechtlichen Ungleichgewicht entgegenzuwirken, benötigt es bereits in der Schule wichtige Weichenstellungen. Vermutlich ist das Prinzip der Vorbildfunktion an dieser Stelle meist schon hilfreich.

Die IGS Gerhard Ertl ist sich als MINT-freundliche Schule dieser Aufgabe bewusst. Zugegebenermaßen steckt das Unterfangen noch in den Kinderschuhen. Neben dem inzwischen standardisierten Girls-Boys-Day besteht eine Zusammenarbeit mit dem Ada Lovelace-Projekt des Landes Rheinland-Pfalz und der Hochschule Mainz. Hier gab es in der Vergangenheit zwei Varianten, welche insbesondere für die Schülerinnen der MSS angeboten wurden. Zum einen gab es einen Workshop, welcher in unserem ersten Abiturjahrgang die Bereiche Kunst und Informatik aufgriff. Dieses Zusammenspiel war vor allen Dingen in diesem Jahrgang nützlich, da es eine Großzahl von Schülerinnen gab, welche sowohl den Leistungskurs Bildende Kunst als auch einen naturwissenschaftlichen Leistungskurs belegt hatten. Zum anderen war es den Schülerinnen der 12. Jahrgangsstufe möglich an der MINT in Mainz-Woche universitäre Veranstaltungen zu besuchen und sich gleichzeitig in einem Mentoring-Projekt mit Studentinnen der MINT-Fächer auszutauschen. Des Weiteren ist es unseren Schülerinnen stets möglich an individuellen Veranstaltungen teilzunehmen oder sich für einen Schnuppertag mit einem dezidiert MINT-fördernden Hintergrund freistellen zu lassen.

Da bis jetzt nur Schülerinnen der MSS von dem Förderprogrammen profitieren konnten, soll in Zukunft der Fokus auf die jüngeren Schülerinnen gelegt werden. Im Rahmen der MINT-Schülervertretung hat die IGS Gerhard Ertl bewusst sowohl die Schülerin Julia Adam (derzeit 11. Klasse) als auch den Schüler Jonas Speer (derzeit 11. Klasse) aufgestellt. Julias Aufgabe soll es sein, den jüngeren Schülerinnen als Vorbild zu dienen. Sie wird in der zukünftigen Projektentwicklung die „weibliche Sichtweise“ einfließen lassen. Ziel ist es in jeder Jahrgangstufe Schülerinnen und Schüler mit herausragender Leistung in den MINT-Fächern hervorzuheben. In diesem Punkt wird u.a. das Fordern der Schülerinnen von Nöten sein, die sich eigenständig nicht für weiterführende Projekte entscheiden würden. Es ist an der Stelle die Aufgabe der MINT-Lehrer diese Mädchen im Blick zu haben und deren Potentiale zu erkennen.

Eine zukünftige Vorstellung wäre ebenfalls, dass die IGS Gerhard Ertl nach dem Vorbild der Alumni-Netzwerke ein MINT-Schülerinnen-Alumni-Netzwerk zwischen aktiven und ehemaligen Schülerinnen der IGS Gerhard Ertl aufbaut, um abermals das Stärken der Vorbilder für die Schülerinnen zu unterstützen. Ideen gibt es viele und wir treten an, einen Großteil davon zu realisieren.