Die Integrationswoche der MSS 11: Zusammenwachsen beim Drachenbootfahren

eine Reportage von Laura Krause, Justine Kula, Noemi Rokohl und Lara Unkelbach (Leistungskurs Deutsch 11)

„Der Teamgeist ist heut hoch gefragt, weil man im Team sich leichter plagt; doch die Gemeinschaft hält nicht lang, wenn man nicht zieht am selben Strang“ (Oskar Stock, deutscher Schriftsteller)

Bei sonnigem Wetter treffen wir - die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 11 - in Schierstein ein. Als wir mit Vorfreude den Bus verlassen, vernehmen wir bereits das Plätschern des Hafens zu unserer Linken. Auf die Folter gespannt warten wir bereits sehnsüchtig drauf, das Drachenboot zu betreten und endlich loszulegen. Die langen, schnellen Kanus haben Ende der 80er-Jahre ihren Weg von Asien nach Deutschland gefunden. In China hat das Drachenboot-Fahren eine mehr als 2.000 Jahre alte und ehrwürdige Geschichte, um welche sich viele Legenden ranken. Heute gehört Drachenboot-Fahren in Deutschland zum Breitensport. „Es genügt schon ein kleiner See oder ein Flussabschnitt und zwei Stunden Zeit, um Drachenboot zu fahren“, meint Edgar, der Teamleiter.

Nach einer kleinen Ansprache der Stammkursleiter folgen wir den Betreuern Edgar, Anne und Dieter. Einer nach dem anderen holt sich sein Paddel und die passende Schwimmweste. Und langsam wird es ernst. Wir bilden Teams für die Drachenboote und beginnen unter der Anleitung von Dieter und Anne mit den ersten Paddelversuchen an Land. Wichtig ist den beiden dabei, dass wir es schaffen, als Gemeinschaft bis zehn zu zählen. Als sich alle gut vorbereitet fühlen, heißt es für uns: „Runter zum Hafen und los geht’s!“. Meike äußert vor dem Betreten des Bootes allerdings: „Hoffentlich fall‘ ich nicht ins Wasser“ – ihre Bedenken sollten aber zum Glück grundlos bleiben.

„Einer für alle, alle für einen!“

Die Teams steigen in das jeweilige Drachenboot ein und machen sich bereit. Anfangs noch wacklig unterwegs machen wir unsere ersten Fahrversuche, um die davor gelernte Technik umzusetzen. „Auch wenn es viel Übung braucht, macht es sehr viel Spaß‘‘, sagt Johanna. Mit jeder Sekunde werden wir sicherer und finden auch schnell heraus, was es heißt, im Team zu arbeiten. Denn stellt sich auch nur einer quer, droht das Boot zu kippen.

Als wir geübt genug sind, beginnt der Wettkampf: Alle drei Drachenboote stellen sich an die Startlinie und mit dem Start-Kommando: „Are you ready - attention - go!“ beginnen die drei Teams um ihr Leben zu paddeln. Sehr schnell nehmen die Boote Fahrt auf und gleiten aufgrund des gleichmäßigen Eintauchens der Paddel olympisch über das Wasser. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen, doch das Drachenboot unter der Führung von Edgar Hartung gewinnt mit kleinem Vorsprung das Rennen und fährt den Sieg ein. Kein Wunder – denn Edgar Hartung ist der Vorsitzende des Wassersportverein Schierstein. 1973 bis 1978 war er Teil der deutschen Nationalmannschaft und stand 1976 sogar im Olympiafinale.

Nach dem Rennen fahren wir „im Päckchen“ - das heißt alle drei Drachenboote fahren aneinander, das mittlere Boot hält mithilfe der Paddeln die beiden äußeren Boote zusammen. Für die außenliegenden Boote heißt es jetzt: paddeln, denn sie sind dafür verantwortlich, das sogenannte „Päckchen“ voranzubringen. Nach dieser lustigen Abwechslung trennen sich die Boote wieder und jeder fährt alleine weiter. Zum Abschluss heißt es noch mal: Tauziehen. Die ersten vier Reihen im Boot drehen sich dafür nacheinander um und setzten sich so hin, dass sie ihren anderen Teammitgliedern gegenübersitzen. Man muss also um die Wette paddeln - die stärkere Seite des Bootes gibt hierbei die Fahrtrichtung an. Das Boot bewegt sich dann wie beim Tauziehen in die Richtung des stärkeren Teams. „Jeder Einzelne ist somit gefordert“, erläutert Edgar.

Als sehr aufregend erweist sich auch das Paddeln außerhalb des Hafens. Durch die Wellen vorbeifahrender Schiffe hebt und senkt sich das schaukelnde Boot, wodurch ein abenteuerliches Gefühl entsteht. Aus der Ferne sind freundlich winkende Hände anderer Schiffsleute und Paddler zu sehen und in den Lüften schwirren verschiedenartige Vögel, weswegen die Fahrt auf dem Wasser noch erlebnisreicher scheint.

Nach dieser letzten aufregenden Erfahrung legen die Boote wieder am Steg an. Wir bringen unsere Paddel und Schwimmwesten wieder zurück und machen uns als Gruppe auf dem Weg zu einer nahegelegenen Wiese. Denn nach diesem anstrengenden, aber sehr interessanten Bootstrip, melden sich die leeren Mägen: Es ist Zeit für das gemeinsame Picknick, welches am Vortag vorbereitet wurde, es gibt eine Bandbreite an leckerem Essen, wobei jeder etwas findet - von Kuchen bis zu Bananen und Trauben. Sehnsüchtig warten wir darauf uns heißhungrig auf das Essen zu stürzen. Nach der Freigabe des Essens tummeln sich alle um die Bank und jeder will möglichst schnell etwas bekommen. Nachdem alle etwas Essbares gefunden haben, welches ihrem Geschmack entspricht, herrscht nur noch Gemurmel und Kauen. Nebenbei wird sich sportlich betätigt, wohingegen andere den ruhigen Platz in der Sonne bevorzugen und Neuigkeiten austauschen.
Außerdem werden freudig Bilder gemacht. Ob zu zweit oder in der Gruppe. Da strahlen alle mit der Sonne um die Wette. Erinnerungen schaffen, das ist das Ziel, denn jeder möchte dieses unvergessliche Erlebnis dokumentieren und in Erinnerung behalten. Gegen Ende wird noch ein Gruppenfoto mit allen Beteiligten geschossen, denn Fotos sind bekanntlich stehen gebliebene Momente, welche man sich so oft ansehen kann, wie man möchte.

Schließlich machen wir uns mit vielen neuen Erfahrungen zurück auf dem Weg zum Bus. Auf der Rückfahrt können sich alle von einem ereignisreichen Tag, der vielen noch lange in Erinnerung bleiben wird, entspannen. Denn wir sind als einzelne Schüler gekommen und verlassen den Schiersteiner Hafen als Gemeinschaft, wenn nicht sogar als kleine Familie.