„Die Schule rollt“ machte Station in der IGS Sprendlingen

Pressemitteilung der Unfallkasse Rheinland-Pfalz

Wie fühlt es sich an, in einem Rollstuhl zu fahren? Wie kann man Hindernisse bewältigen? Wie gestaltet sich der Alltag im Rolli? Eindrücke „er-fuhren“ – im wahren Wortsinne – Schülerinnen und Schüler der IGS Gerhard Ertl in Sprendlingen. Das Projekt „Die Schule rollt“, umgesetzt durch den TV Laubenheim, machte es möglich. Die Schulkinder erhielten während des Sportunterrichts Einblicke in die Bewegungsmöglichkeiten im Rollstuhl. Das Trainerteam vom TV Laubenheim informierte über Schwierigkeiten, gab Tipps und erklärte Details über das Rollstuhlfahren und entsprechende Verhaltensweisen.

„Seit Beginn des Schuljahres unterrichten wir auch einen Schüler im Rollstuhl. Seine Mitschülerinnen und Mitschüler unterstützen ihn, wenn dies erforderlich ist. Das heutige Angebot hilft ihnen dabei, Alltagsherausforderungen von Menschen im Rolli besser verstehen zu können“, ist Förderschullehrer Franz-Josef Bronder überzeugt. „Die Kinder waren bei den Übungen und Spielen mit viel Engagement dabei. Das Bewegungsangebot fördert Kinder mit einer Beeinträchtigung und bindet sie in das aktive Schulleben ein“, sagt Klassenlehrerin Katharina Diehl-Knieriemen. Ihr Kollege Daniel Porr ergänzt: "Die meisten von uns haben zum ersten Mal in einem Rollstuhl gesessen. Wir waren begeistert, dass man zu Fuß oder im Rolli so viele gemeinsame Sport- und Spielmöglichkeiten hat.“

Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, an einem Parcours eigenständige Erfahrungen im Rollstuhl zu sammeln. Einige Hürden konnten sie nur mit Hilfestellung bezwingen. Deshalb staunten sie nicht schlecht, wie schnell und mit welcher Geschicklichkeit ihr Mitschüler, der im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen ist, die Hindernisse nahm und zollten ihm gebührenden Respekt und Beifall.

Ein Parcours machte den Teilnehmenden deutlich, was schon kleine Stufen oder Bordsteinkanten von Menschen im Rollstuhl abverlangen und wo Geduld und Rücksicht von anderen Leuten nötig werden. „Ihr könnt gern eure Hilfe anbieten, aber fragt vorher ob und wie ihr helfen könnt. Denn nicht immer ist Unterstützung notwendig bzw. gewünscht“, sensibilisierte das Trainerteam die Kinder. Diese waren von der Aktion „Die Schule rollt“ beeindruckt. „Das war heute mal ein ganz neues Sporterlebnis. Wir haben viel gelernt und die Umgebung mit ganz anderen Augen wahrgenommen. Auf den Stationen des Parcours konnten wir selber spüren, mit welchen Problemen Menschen im Rollstuhl rechnen müssen“, berichteten die Teilnehmenden. Ihnen fielen einige Beispiele im engeren Umfeld ein, die im Rolli nur schwer oder überhaupt nicht zu erreichen sind und wo sie sich Änderungen wünschen.

„Eigene Erfahrungen sammeln und ausprobieren – das ist gerade für Kinder und Jugendliche besonders wichtig. Positive Bewegungserfahrung stärkt die Entwicklung und das Selbstbewusstsein aller Kinder. Auch für die Lehrkräfte sind die Erfahrungen von großer Bedeutung“, sind die Projektinitiatoren überzeugt. Die Lehrkräfte erhalten nützliche Informationen rund um das gemeinsame Sporttreiben. „Durch die inhaltliche und finanzielle Unterstützung der Unfallkasse und des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands Rheinland-Pfalz ist es uns möglich, das Projekt in die Schulen zu bringen und jungen Menschen den Spaß am Rollstuhlfahren aufzuzeigen. Wir möchten dazu beitragen, rollstuhlfahrende Kinder und Jugendliche im Regelsportunterricht einzubinden. Es ist einfach toll zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei sind und wie sich durch diese Art des Sportunterrichts neue Sichtweisen eröffnen“, erläuterte das Team vom TV Laubenheim.

Das Projekt

„An rheinland-pfälzischen Regelschulen wird ‚Die Schule rollt!‘ vorzugsweise in Klassen mit rollstuhlfahrenden Schülerinnen und Schülern kostenfrei realisiert“, informiert Jördis Gluch, die bei der Unfallkasse Rheinland-Pfalz das Projekt betreut. Ausgestattet mit Kinderrollstühlen und einem Hindernisparcours besucht das erfahrene Projektteam Einrichtungen im ganzen Bundesland. Der Hindernisparcours aus Rampen, Aufkantungen und simuliertem Kopfsteinpflaster zeigt anschaulich, mit welchen Schwierigkeiten Menschen im Rollstuhl zu kämpfen haben – und wie diese überwunden werden können. Hemmschwellen und Berührungsängste können so durch das selbstständige Ausprobieren des Rollstuhlfahrens abgebaut werden. Als Übungsleitung ist bei jedem Termin mindestens eine Rollstuhlfahrerin bzw. ein Rollstuhlfahrer mit dabei, um Fragen zu beantworten und aus dem eigenen Erfahrungsschatz zu berichten.

Konkrete Ziele des Projektes:

der Perspektivwechsel für Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zum Rollstuhl als Sportgerät
das Stärken der Kompetenz der Lehrkräfte, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern
das Erleben von erwachsenen, selbstbestimmten Menschen mit Behinderung
das Fördern von Teilhabe und Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler mit Behinderung
eine Netzwerkbildung zwischen Lehrkräften, Eltern, Vereinen und Menschen mit Behinderung.